Samstag, 31. Dezember 2011

Wanderlust

Mein Zuhause liegt dort ferne
Wo mir nahe geht ihr Duft,
Wie ich mit jedem Schritte lerne,
Balken zu zimmern
Aus freier Luft.


Die Pfeiler streben aus der Erde,
Zu Wolken und Sternen sie ragen
Hoch und was von ihnen getragen werde,
Weisen Vögel in ihrem Zug
Jenen zu die danach fragen.

Das Dach liegt zerklüftet und zerrissen,
Aus Haut und Gewand über mir,
Wie die Landschaft, über die nun fließen
Meine Gedanken, die mich tränken
Und ernähren dort wie hier.

Sie erbauen mir Kammern und Säle,
Mit Stoffen von vielen Welten versorgt.
Das Herdfeuer brennt mir in der Seele,
Auf allen hellen und dunklen Gängen,
Die das Leben mir borgt.


Meine Außenwand mauerst und brichst du vielleicht;
Und zuhause sein in mir – endlich wieder –
Ist vielleicht durchs stete Wandern – immer wieder –
Am Grad von Wildheit und Vernunft erreicht.

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Magie

Im Angesicht des Neugeborenen erfüllt das Mensch sich Träumerei,
Die duften, nach einem Garten im eigenen Reich vergessner Kindheit.
Schwäche und Stärke, Macht und Ohnmacht sind hier einerlei;
Das Kind lebt auf und königliche Tore öffnen sich weit.

Vor dem schutzbedürftigsten Wesen verneigt sich die Herrschaft der Welt,
Wenn Liebe ihr Lehn bestimmt und gebietet, was es zu erbeten gilt.
Darum hat es Schutz. Wie’s sich mit schwächster Hand an deiner hält,
Mit größter Kraft darin, die der Flüsse Betten füllt;
Die Flut und Ebbe herstellt,
Zu denen sich die Bahn der Gestirne gesellt,
Wenn es mit dem Lauf unserer Tage und Nächte spielt.

Es ängstigt den Freund die ungewisse Erwartung des anderen;
Ob er ihrer genüge? – Wie lange man sich auch schon kenne.
Es fürchtet sich das Nichts vor seiner Entdeckung, dem Verstehen,
Und das Beinah vor der Trefflichkeit, die man auch gerne anders nenne.

Was gute Narren und Helden ihrer Zeit kühn und jung erschaffen,
Ist zukünftiger Jugend Gedicht und Schwärmerei.
Der Ahnen Engel und Dämonen, die sie sich betrafen,
Gehen erneut, in verwandelten Gestalten, an den Alten und Jungen vorbei.

Alles ist Magie.

Kneipen lernen

Das Kind lernt in der Kneipe,
Was zu lernen wichtig ist:
Die Erwachsenen sind eine Pleite,
Deren antrainierte Weise man bestenfalls vergisst;
Hat man sie trunken erst gesehen,
Und gerochen und gehört,
Ohne ihre Jammererscheinung zu verstehen,
Von der man so oft wird im Kindsein gestört.

Kein Bitte, kein Danke,
Kein Erringen einer Höflichkeit
Oder anderer Benimmlichkeit,
Wie man’s von euch Kindern oft verlangte,
Kommt in den besoffenen Sinn.
Man prustet sich ins Essen,
Man sabbert sich aufs Kinn.
Der Kleinkinder Lehrjahre scheinen vergessen.

Freitag, 16. Dezember 2011

Abhanden gekommen

Meine Generation kommt mir abhanden,
Im Kreiseln meiner Wesenheit,
Zuhanden einer vertrauten Fremde inmitten,
Die meine Kreise stets nur schneidet.

Meine Nation hat den fauligen Atem ihrer verdorbenen Neurose,
Und mir stinkt die Faulheit der menschlichen Spinnen;
Deren loses Netwerk verbleibt ihren Kadavern.
Die Regelwerke haben sich vom Joch ihres Nutzens befreit
Und geißeln uns mit ihrem Umherirren,
Den Mensch uns als Sinn erbetet.

Meine Schwächen und Fehler werden alt,
Einen Tempelgarten der Ruhe will ich ihnen erbauen.
Ich aber werde jung, in meinem ergrauten Erkennen der Jugend.
Ein drittes Bier trink ich hier, an der Theke,
Wohin mir die Mathematik, in ungeahnter Höhe, überraschend folgte.
Manches bleibt mir treu, so lange bis es gut so sei.

Die hoheitliche Mathematik stellt Mensch mir als angebliches Mittelschulmaß vor.
Sperrstund ist! Die Stammbar bleibt mir nahe,
Wie Heimat erfühlt in einem Augenzwinkern der Präsenz,
Für eine Weile; ich kreisle weiter
Und ich surfe am weiten Flusse.

Sonntag, 11. Dezember 2011

Liebe Zwischenzeit

Das alkfreie Bier baut auf,
Was das alkische Niederriss.
Und bin ich gar zu nüchtern drauf,
Hilft der Weihnachtsbock gewiss.

Jede Stunde hat ihre Ablöse,
Mit der sich ihre Zeit erfüllt.
Ich erwache, wenn ich döse,
Erblicke was das Andere verhüllt.

Und hier bin ich wieder
Strandend vorm dunklen Horizont.
Das Licht stürzt auf alles hernieder,
Mit eingefrorener Sturmesfront.

Und was ich in kühl-lichter Ferne sehe,
Kann ich nicht mehr erreichen.
Wo in unerfüllter Stund ich stehe,
Lange ich nach fremden Reichen.

Mein Fehlen wird wieder Überdruss.
Weit ist’s, ist’s noch nicht so weit.
Schluss ist damit erst zum Schluss,
Ich wart auf die liebe Zwischenzeit.


Samstag, 10. Dezember 2011

Zum Tanz allein

Im Aufgeben mach ich’s mir gemütlich,
Ehe der Wind mir den Weltenatem ins Gesicht bläst.
Er trägt mein Zuhause hinfort
Und ich jage hinterdrein
Dem Lageplan.

Dich will ich mir am Arsch vorbei gehen sehen,
Wenn ich so einsam bin.
Ein Minenfeld ist deine Wahrheit.
Das meide ich und verliere
Deshalb die Chance zu Verlieren.

Und zu Gewinnen bedeutet nunmehr nichts;
Nichts für alles zu empfinden.
Strategischer Rückzug in den Bunker,
Wo mich keiner lebend kriegt.
Doch meine Kinder vergifteten mich.

Im Schmerz steckt die Wahrheit
Und die Lüge gleichermaßen.
In Maßen ist das Gift mir Heil,
In Maßen die zu fühlen sind
Wie die Verliebtheit, bitte sehr.

Es war kein Gift im rechten Maß,
Es war das brennende Eigenblut.
Das misst nicht, es ist
Gewaltiger Zusammenfluss
Und ich tanze durch die Flammen.

Das Bier bringt mir den Sturm,
Auf die unaussprechende Zunge.
Sie bewegt was mich bewegt,
Zu dir und von dir fort
Im Zusammenfluss.

Keine Angst!
Meine Liebe, ich will dich nicht
Hochzeiten, bewohnen, zum Herzen tauschen.
Ich brauche bloß jemanden
Um nicht allein durch die Flammen zu tanzen.



Freitag, 9. Dezember 2011

In allem, bei Kind, am Wind

Ich hindre mich.
Damit behüte ich die Welt,
Die vor meinen Augen niederfällt.

Löse mich auf in allem;
Und nichts hat mehr Wichtigkeit,
Alles eine Möglichkeit.
Besinne mir einen Harem
Aus tagend träumerischen Gedanken,
Die zwischen Zärtlichkeit und Strenge wanken.

Ich lass mich nicht mit mir allein.
Entweder mein Vertrauen bricht
Oder die Welt, vor meinem jüngeren Gericht.
Und alles ist der Schein,
Der den Hopfen wachsen lässt,
Der’s Getreide lässt gedeihen,
Dessen Hitz es malzig röst.

Ich trinke Schein
Und Gift, und alles ist vergänglich,
Zu lebendigem Wohlsein.
Schmerz und Wille erhalten sich;
Wollen und Stillen
Verleibt mir zu erfüllen.

Ich hindre mich –
Mit mir allein –
Zu sein,
Um zu verweilen,
In einer befremdlichen Welt,
Die im Schein ins Dunkle fällt.

Doch durch die Mauern her
Hör ich das Kind.
Es lachet sehr;
Erdet mich, wie blind
Dem Zug der Vögel folgend.
Tröstende Erinnerungen an den Wind
Sind dem Sturm seiner Notwendigkeit folgend.

Das Rollen

Abwärts läuft sich’s besser
Und alles gerät ins Rollen:
Die Meinungen der Zeitungsfresser,
Die Urteile der Meinungstrollen.

Blad werden kann man auch vegan,
Abmagern im Fleischüberdruss.
Die Chance hat noch nicht getan,
Was man berechnet
Bis zum Schluss.

Der Weg ist einfach,
Manchen die Einfachheit
Unerträglich.
Anderen ist die Fülle zwiefach
Und in ihrer Losheit beschwerlich.

Und alles kann auch aufwärts rollen.

Drinnen und Draußen

Um mich drehen sich die Möglichkeiten,
Wie die Sterne um das riesenhafte Unbekannte,
Ums Große, in allen Tiefen und Weiten,
Dem ich den Ursprung einst verdankte.

Ich träumte von dir in verschlafener Zeit,
Wie der Wind sich erinnert,
An die Gerüche der Vergangenheit,
Deren Kraft sich nicht verringert.

Wünschen kann ich für mich nichts mehr,
Außer dem gelebten Abenteuer;
Doch gibt es auch dem Kind was her?!
Lieb ist reich, deshalb nicht teuer.

Gott sei Dank noch mal!
Ich hab nichts mehr zu verlieren;
Wie in den Höhen so im Tal,
Bin ich dabei das zu kapieren.

Dank sei Gott erneut!
Hab nichts und alles zu begreifen,
Und alles und nichts bereut,
Zersetzung heißt manchmal Reifen.

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Totgeborener Traum

Ich wache mit einem totgeborenen Traum
Im kaum gewagten Atem
Und kann vom Träumen allein nicht leben
Ich atme Schmerz
Bin ummauert von Zeit darin
Ohne Schlaf
Ohne Nahrung
In Müdigkeit und Hunger
Nach Wiedergeburt
Und Ende des Traums
In seinem Erwachen

Mein Heim riecht nach Hotel
Ich reise ohne mich zu bewegen
Bewege mich ohne fort zukommen
Will nirgends hin
Es gibt kein Ziel und keine Zeit
Zu meiner freien Verfügung
Und bin ich frei
Bin ich verloren
Im totgeborenen Traum
Der ist so echt
Ich fühle mehr an ihm
Als mir die Dinge begreiflich machen
Über die ich suchend wache

Ich bin fündig im Traum
Blind in seiner Dämmerung
Im Morgengrauen seines im Tode Verweilens
Blendet mich die volle Leere
Taste ich mich an meine Schritte heran
Und das alles scheint so tragisch zu sein
So negativ den darin Lesenden
Doch gut ist’s
Ihnen unbewusst
Geschieht doch nichts
Und dies zu ihrem Willen und Behelfe
Mir nichts
Zu ihrem Schutz

Mein Leben ist ein totgeborener Traum
Voller lebendiger Charaktere
Nach denen ich hin und wieder greife
Mit meiner kalten Hand
Da fühle ich nichts
Ehe sie nicht zurückkehrt zu mir
Um sich zu wärmen
Im Flammen meiner Einsamkeit
Tote Insektenkörper kleben an der Decke
Als hole Ausstellungsstücke
Als Willkommensgruß
Hier gehöre ich mir
Will nicht mehr warten
Um aus meiner Kompostierung herauszuwachsen
Darum wird eines nicht geschehen
Anderes jedoch

Dienstag, 6. Dezember 2011

Senf zur Putinwahlshow

Es ist ein wenig voreilig, Putins Stern verblassend zu sehen. Denn man kann keine Wahl verlieren, die nach Meinung diverser nicht mundgetöteter WahlbeobachterInnen gar nicht stattgefunden hat.


Die RussInnen hatten keine Wahl. Die nennenswerten Oppositionsparteien waren nicht zugelassen, die zugelassenen waren von der Diktatur konstruiert, um den Schein von Demokratie zu wahren.
Das sollten die ZeitungsmacherInnen der realen Demokratien eigentlich begreifen: Ein knapperes Ergebnis kann demokratierealistische Verhältnisse vortäuschen. KommentartorInnen die möglicherweise davon ausgehen, dass „Einiges Russland“ die Wahl nicht so ganz manipuliert haben könne, nachdem es kein absolutes Ergebnis nach Vorbild anderer pseudodemokratischer Regime erstellte, gehören entweder zum Verein oder halten Putin für einen Dummkopf – was nur Dummköpfen gelingt.

Schon bei der letzten Wahl hatte Putins Scheinpartei keine diktatorischen 90% erreicht, sondern nur moderate 64% gezählt. Die 46 – 48%, die sich nun erstellen ließen, genügen dennoch für eine absolute Pseudolegitimierung der putinschen Macht in der Duma.

Dass die RussInnen nun aber, mit demselben faden KGB-Gesicht an der Staats-Spitze konfrontiert, die Schnauze voll von selbiger hätten, ist ebenfalls nicht unbedingt richtig. Denn Putin hat hohe Beliebtheitswerte, gewissen Umfragen zufolge deren Falschheit noch nicht ganz geklärt ist. Zugleich gilt die Saga, dass es seine Partei ist, die für Überdruss in der Bevölkerung sorgt. Aber vermutlich liegt allerhand Blödsinn auch hinter diesem Blödsinn.
Die RussInnen sind nicht naiv. Sie sind nur entweder resignierend oder ungehört. Oder tot.

Was außerrussische BeobachterInnen, die nun von Putins Niederlage sprechen und damit offenbaren, dass sie Russland tatsächlich für eine Demokratie halten, liegt wohl vor allem an zweierlei Problemen: Erstens wollen viele im Westen nicht wahrhaben, dass die Oligarchie mit den Atomwaffen und dem vielen Erdgas die alte Tyrannei ist, die sie schon immer war; auch wenn uns die Gorbatschow-Werbeschaltung so viel Hoffnung gebracht hatte.

Zweitens ist das Putin-Regime eine wahrlich sonderbare Tyrannei. Im globalisierten Konsens, dass Unterdrückung ganzer Völker, durch „starke“, harte Männer, eigentlich scheiße ist, die meisten Staaten dieser schönen Menschenwelt sich jedoch geschickt vor der Aufmerksamkeit der übrig gebliebenen Zivil-Staaten verbergen, nimmt Russland eine Sonderstellung ein.
Es ist zu groß und politisch zu wichtig, um sich zu verstecken. Deshalb weiß Putin, dass er hart vorgehen muss, es aber nicht mit Maßnahmen übertreiben darf, die bis all zu einflussreich über die Grenzen seines riesigen Landes hinausreichen. Es ist auffällig, dass Russen, denen man im Ausland begegnet, zum Einen selten kritisch übers Heimatregime sprechen, zum Anderen selten finanziellen Notstand leiden. Neue Staatsbürgerschaften nehmen sie dennoch gerne an.

In Italien regiert seit Jahrzehnten die Mafia mit. Zumal der Unterschied zwischen ParlamentarierInnen und MafiafunktionärInnen generell nicht ganz zu entscheiden ist. Die UNO hat jedenfalls bisher nicht interveniert. Und nun müsste man sich ausrechnen, wie oft Süditalien (oder Kärnten) in Russland hineinpasst.

Mittwoch, 23. November 2011

Trotz

Es folgt den alten Pfaden das schlurfende Mensch.
Müde Beine setzten ab in den Fußspuren der Vorausgegangnen.
Sie setzten ab die Tatenkraft zu Füßen ihrer Ahnengötzen.
Wer kennt seine Ahnen?

Das Kind zeigt seinen unwissenden Trotz;
Wir treten unsere Fußspur drauf.
Das Kind zeigt einen unwissenden Trotz;
Das Wundern nimmt uns den Atem;
Das Wissen in unwissendem Trotze,
Es bleibt uns verlegen,
Unser unwissender Trotz.

Und alles wird was es nicht will
Trotzen, in Spuren der müden Gleichgeschrittenen:
Notwendigkeit, in Not für die Wende dahin
Wo das Mensch die frischen Spuren legt.
Vom Alten muss alles gehen,
Damit es bleibe was es ist und nicht werde, was es war.

Mit schmalen Augen grinsen die Trunkenen, wie einst
Die feisten Väter, die alles nicht anders taten –
Sie prügeln sich manchmal in ihren Kindern.
Manchmal prügeln sich ihre Kinder,
In Fußspuren, tief und kaum zu entgehen.
Die Zahlen bleiben unerheblich, die schmalen Augen.
Man vermutet alles besser, man kennt sich nicht,
Nur trunkenes Grinsen
Des andren Müdgestapften.

Die Politik braucht keine Argumente.
Herrinnen und Herren folgen sich selbst
In den Fußspuren der ihnen Vorausgegangenen,
Bedingungslos und brav wie Hunde
Auf dem Weg zur Schlachtbank ihrer Häutung.
Sie häuten sich selbst und wähnen sich gerüstet
Hinter ihren verschlossenen Türen.
Der Souverän der Demokratie darf nichts wissen,
Von den Entscheidungen seiner Hunde,
Ehe er gehäutet auf der Schlachtbank liegt.

Es folgten den alten Pfaden die schlurfenden Menschen.
Starke Beine setzten sich ab, wie sie wollen, sie sollten.

Freitag, 18. November 2011

Fallender Straßenschimmer

Folgende Straßen fallen ab von mir,
Noch höre ich die Trümmer hallen.
Ich reime auf ungetrunkenes Bier,
Muss niemanden gefallen.
Es herrscht großes Zerfallen.

Warten auf Elisabeth, die mich damit überraschte. In weichem Sessel, bei sanftem Schein über dunklen Vertäfelungen, Flächen voll von lichtverspieltem Glas, einer Kerze im Fenster, dahinter die freie Gasse am Kirchengemäuer, bei dürren Bäumen und schlanken Laternen – ich sitze umhüllt. Ich bin zerstreut. Mein Kriegerwesen hält sich an den Teilen, die Teile halten in ihm, an mir.
Ich lehne mich zurück, an die samtene Polsterung, in die Vergangenheit, die junge, frische. Habe Sorge, auch um die älteren Gesichter, die ich mir einvernehmlich fern gehalten habe.
Die Sorge ist, was mir bleibt. Tatenlos ist sie unerträglich.
Ich lehne mich zurück und erreiche nicht mehr die Tastatur. Nach vorne muss ich, ins weiße Scheinen des stromsparmodifizierten Schreibcomputers, der schwarz sich verschluckt im Tisch.
Ich muss nach vorne, mit dem Kopf ins Fenster, wo die Straße auf mich blickt. Kann nicht sesshaftenbleiben. Das Schreiben muss fliegen, nach vorne gelehnt, durch die Zerstreuung, im Atemwind des Kriegerwesens und dem brüderlichen Wind im Gesicht. Es ist ein einsamer Genuss, der mich verzerrt.

So scheint es/
Mit schmeichelnder Lauheit/
Im Übrigen droht Folgendes/
Der kriegerischen Wachsamkeit.
Es wird Zeit.


Erschöpfen

Erschöpfen
In all der Ängstlichkeit
Findet sich nicht mehr jenes Knüpfen
An die Ewigkeit

Des Webers Schuss verliert nicht sein Ziel
Die Kette bindet seine Wege
Was die Furcht auch halten will
Alles endet im Gewebe

Unter der sterbenden Hülle sah ich einen Schein
Wie Sonne im fallenden Laub
Und wo dies Fürchten fällt ins Leben ein
Verfällt es in diesem Licht zu Staub

Plötzlich ist der Tod
Und plötzlich ist die Liebe
So wie der Rausch tat Not
Irgendwann
Spür ich dann
Wem und was ich bald erliege

Dienstag, 15. November 2011

Nacht Nebel Kriegerwesen

Durch Nacht und Nebel gefahren
Mit dem schlafenden Kind
Wie die kalten Schwaden sich gebaren
Im pirschenden Wind
Ziehen die Nachrichten vorüber

Wie das in Luft erfasste Licht
Der warmen Scheinwerfer
Drängen sich Gedanken dicht
Gegen fremden Eifer
Der die Menschen entmutigen will

Mit dem schlafenden Kind
Reise ich durch die Nacht
Und Ehe die Nebelzeit verrinnt
Sei in frierender Stille erwacht
Das Kriegerwesen

Ans schlafende Kind gedacht
Wer als Kriegerwesen
Nicht über diese Zeiten wacht
Dessen Zukunft ist bereits gewesen
Die eines Verkrochenen
Ausgestorbenen

Menschlichkeit erwache
Flammend
Sterbend kriegerisch
Lieber aber liebend
Und besser lebend

Donnerstag, 10. November 2011

Der Kreis

Der Wind lässt uns ruhen im Kreis der Bäume.
Sie ragen tief in ihren Schatten
Der aufgeweckten Nacht, wie manche Träume
Die sich einmal in uns hatten,
Wach wie der Tag.

Nur diese Augen bergen Erkennen dessen was ist.
Sie verwirren für Sekunden
Vorm Erkennen, wie ihr Blicken man vermisst.
Dann geben sie Klarheit für so viele Stunden.
Ihr Fehlen ist ein großes Sein.

Schönheit ist und Ängstlichkeit
Und andre große Dinge des leer gefüllten Kosmos.
In ihrer Grelle beständiger Geblendetheit
Bleibt Liebe, gegen das Lebenslos
Gespiegelt, ein übergroßes Sein.

Meine Angst wird Abenteuer,
Trink dann ein Marchfelder Bier.
Das Flachland war mir nie geheuer,
Doch schmeckt es nach Zuhause hier
Im Augenblick, in meinem Gepäck.

Wo Angst zu Vorfreude wird
Ist ein tiefer Schatten der Erinnerung
An die Liebe, die passiert,
In beständig plötzlicher Verwandlung.
Hier ist Verantwortung wie das Licht den Sehenden.



Belgisches Bier

Belgisches Bier:
Das beste Auswalken von Geschmack,
Wenn ich im Dunkelholz hockend fantasier
Die restliche Nacht von Morgen.

Anorak!
Warum auch nicht.
Die Sätze sind mir klar genug
Und dicht,
Dort, woher ich sie trug.

Anorak! Und belgisch Bier.
Warm und gut verpackt
Ereichen die alten Lieder mir
Den marmornen Samt der Bar.

Es schreibt sprachloser Kontrakt
Mir nichts vor.
Weit ist meine Interpretation
Schier unendlich das torlose Tor.
Anorak(!) kommt mir davon.

Das Bier ist gar nicht belgisch,
Für den Anorak ist’s noch zu warm.
Ich wandre noch im ledernen Harnisch
In Wien
An Kindheitswintern arm.

Wer dies hier publiziert, ist verrückt
Und zu bewundern.
Eine Entscheidung, die mich dann entzückt,
Ist jene die auch enden kann
Vor dem eigentlichen Zundern.

Freitag, 4. November 2011

Wiederschein

Spätes Sonnenlicht fängt sich
In Baumkronen, im Wiederschein.
Mit wintertrocknen Augen ernte ich
Sein Vergehen
Meinem winterschattigen Sein.

Von der Hauswand fällt es glatt,
Vom Autoblech prallt es heftig;
Doch auf jedem sterbenden Blatt,
Ruht es schön, wieder-scheint es kräftig.

Deshalb trinkt der Mensch sein Bier
Gerne unter starken Bäumen.
Hier
Leuchtet ihm beides gelassen,
Was aus Erde und Licht ist geschaffen.


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Nebelkalter Abgrund

Ich wandre am Grat eines schönen Abgrunds.
Über den Klippen dort steht tief die Sonne
Einer Anderswelt,
Bebellt.
Das Heulen des Hunds
Schafft mir hier trauliche Wonne.

Ich bin dumm,
Denn ich war scheinbar vernünftig.
Im Schein der Vernunft darum
Bin ich wütig künftig.

Der einsame Wolf stirbt unter freiem Himmel,
Der einsame Hund meist in Gefangenschaft;
Doch beide beherrschen als Gewimmel
Die Einsamkeit, die Leidenschaft.

Reime mich tot,
Ich bin dir und mir schon längst voraus.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Betten Court

Es verteilt ihr geldiges Zuviel
Die gute Madame Bettencourt,
Weil sie es so will.
Kann die Demenz etwas dafür?

Nun wurde sie vom fleißigen Gericht entmündigt;
Tochter sei Dank, nach ihrem langen Streit.
Gegen ihren Reichtum hatte Mutter sich versündigt,
In Großzügigkeit – Demenz brachte es soweit.

Reicher machte Madame auch die Reichen.
War es vielleicht auch ein Versehen.
Wollen Reiche dies auch selten nur erreichen,
Kann ich das Problem nicht ganz verstehen.

Da wünscht man sich unter den Reichen sehr,
Vielleicht ein paar Demenzen mehr.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Finanzkrise, Metaphern und Kontrolle

Schauers Sichtung:

Im Rahmen der Finanzmarktkrise insbesondere des Euroraumes wird immer wieder von einer Ansteckungsgefahr geschrieben, die von hoch verschuldeten Ländern wie und vor allem Griechenland ausgehe. Damit ist natürlich keine Infektion im pathologischen Sinne gemeint, obwohl man bemüht ist genau dieses Bild zu zeichnen.

Anstelle von genau beschriebenen, wahren Ursachen und Wirkungen mit weiterführenden Folgen bevorzugt man in Metaphern zu sprechen, die den ungeschuldeten Teilen des Publikums den Eindruck erwecken sollen, es handle sich bei der Krise um einen unüberschaubaren Prozess; um eine abstrakte, amorphe Gestalt ohne fassbare Form. Bei diesem komplexen, scheinbar unbeständigen Formzustand weiß jede/r ExpertIn einen Teilbereich abzudecken und man gibt sich meist zu bescheiden, um in der breiten Öffentlichkeit inhaltsvolle Analysen abzuliefern.
Unverständlicherweise sind selbige ExpertInnen sehr gut darin, Prognosen abzugeben, wahrscheinliche Auswirkungen zu prophezeien, die eintreffen, wenn nicht genau das geschieht, was sie den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft anraten. Augenscheinlich kennt man die Wirkung besser, als die Ursachen.


Besser gesagt:

Die Ursachen werden anders erfasst und behandelt, als ihre Auswirkungen. Bekannt sind die wortgeschlagenen faulen Kredite und überschuldeten Staatshaushalte. Die öffentliche Untersuchung dieser Problembereiche verläuft oberflächlich.

Man begnügt sich damit, angeblich unverantwortlichen PrivatkreditnehmerInnen (HäuselbauerInnen) und so genannten Pleitestaaten die Rolle der Sündenböcke aufzubürden. Während der Bock immer noch im Garten des globalen Finanzmarkts wütet. Die Banken und SpekulantInnen gelten zwar im allgemeinen Kabarett, als die wahren ÜbeltäterInnen, allerdings folgen diesem Fingerzeig keine entsprechenden Taten.

Die Investmentbank „Goldman Sachs“ erzielte hohe Gewinne mit jenen Papieren, die zum Teil ihre eigenen KleinanlegerInnen und KundInnen in den Ruin trieben. Die gleiche Bank finanziert nun jene Ratingagenturen, vor deren Herabstufungen sämtliche Regierungen – vor allem in Europa – erzittern.

Warum das so sein müsse, wird von profitorientierten ExpertInnen nicht hinterfragt. Allerdings wissen sie offenbar ganz genau, was nun – ausgehend von der nicht hinterfragten Situation – getan werden müsse. Die Staaten müssten vor allem im Sozialbereich, also am Gemeinwohl sparen und ihre Privatbanken finanziell stützen.

Zugleich bräuchte man weniger von diesem unterstützenden Staat und mehr vom vagen Begriff des „Privat“; womit man umschreiben möchte, dass sich die gesetzgebende, kontrollierende Autorität des Staates möglichst aus den Geschäften der Finanzwirtschaft heraushalten solle.

Subventionieren sollten die SteuerzahlerInnen den FinanzmarktlerInnen natürlich weiterhin. Eine Methode, die in der Realwirtschaft spöttische Erinnerungen an kommunistische Planwirtschaft oder staatliche Misswirtschaft provoziert, gilt in der Finanzwirtschaft als zu akzeptierende Notwendigkeit

Bevor zunächst auf die Ursachen der Krise eingegangen wird, führt uns die Expertise weg von aller Vergangenheitsbewältigung, hin zu spekulativen Zukunftsplänen. Die Zukunft des Systems wird in den Vordergrund gestellt, während seine Fehler in den Hintergrund medialer Aufmerksamkeit verschwinden. Das System, dass für die Gemeinschaft nicht funktioniert, solle nicht verändert, sondern erhalten werden.


Die Frage nach der Kontrolle…

…im Allgemeinen ist entscheidend. Gerade die Krise zeigt doch, dass es an einem so stark vernetzten, globalen Finanzmarkt unwichtig ist, ob das mit einer gewissen Größe misswirtschaftende Unternehmen privat, staatlich oder teilweise beides ist. Die Folgen für die betroffenen Gesellschaften sind in jedem Falle schädlich. Selbiges gilt bei Korruption.

Ich beginne zu verstehen, dass die Forderung hinter dem beliebt gewordenen Schlagwort „Transparenz“ für Politik und Wirtschaft höchste Priorität für die Zukunft einer modernen Gesellschaft hat.

Die von Gruppen wie „WikiLeaks“ und „Anonymus“ über moderne Medientechnologien teils erzwungene Einsichtbarkeit in die Machenschaften von Staaten und WirtschaftsakteurInnen, ist die einzig wirksame Form der öffentlichen Kontrolle und zugleich Antwort auf die Ursachen dieser Krise. Da alle von ihr betroffen sind, haben auch alle ein Recht mitzureden und mit zu entscheiden. Das setzt voraus, dass alle mitwissen.

Mittwoch, 21. September 2011

Abendliches Schreiben am Himmel

Abendliches Schreiben am Himmel.
Sterne stehen dort,
Städtisch verblendetes Gewimmel
Glänzt an jedem Erdenort,
Hier nun unter eingezäunten Bäumen.
Vergessen lässt’ s der kühle Wind,
Ihre realen Grenzen bald verträumen,
Versäumen den Weltensaum geschwind.

Mir verkühlt die Sinne
Der pünktliche Herbstatem,
In dem ich mir Freisinnliches gewinne,
Andächtig Fantastischem,
Erinnert an üble, verfilmte Arten
Und gut-freundschaftlich geplanten,
Rollenverspielten Taten.

In kühlem Raum,
In Rauch und Wein
Und Bier und Traum,
Über herbei gedichteten Weisheitsstein
Und verschwommenen Weltensaum,
Suchten wir freisinnlichen Sinn.

Nach Minuten üblerlicher Filmerarten,
In Herbstkühle freier Gewinn;
Erinnert an Freund, gemeinsame Abendtaten.

Fantasterei! Altertümliche Natur
Und Heldentaten als Schattenspiele in den Bäumen,
Im Wind liegt realer Welten Spur,
Darin Weltenträume zu entsäumen.

Magie sprießt,
Wo Leben wie Baumwuchs fließt.

Mittwoch, 14. September 2011

Grünes Wasser Benennen

Es entdeckte man sich Illusion,
Den andern: Eine nationale Internation;
Und ist Europa national auch ver-geschieden,
Wird die Union vom Selbstzweck auch gemieden,
Kennt Wortunsinn nun europäische Staatsschulden,
Und Unsinnswort dreht seine Runden.

Benennen! Wahres Benennen.
Und wohl wahres Erkennen,
Ist eine Chance der Demut.

Nachhause auf der Fahrt,
Dorthin, wo ich nicht wohnend bin,
Legte sich in wunderbarer Art,
Das Abendlicht übers Donautal,
In meinen Sinn.

Warum können wir nicht am grünen Wasser leben?
Ich will auch gern den Gelsen trotzen.

Freitag, 2. September 2011

Hirntrübe Kraft

Mein Hirn ist trübe,
In Hitz und Lärm und Bier;
Wiewohl mein Geist erträgt sich hier,
Weil ich über Kraft verfüge;
Die in mystischen Gelenken fließt,
Und darin gekiest,
Ist mein Los.

Was gelost, ist bloß,
Der Fall.
Was erbarmungslos erscheint,
Ist im Erbarmen geschaffen,
Das der Menschheit verneint,
Was es auch versagt dem Affen.

Glaubst du Herr genug zu sein,
Um dir zu wählen deinen Herren?
Eltern sind nicht Herrscher darein,
Sie lieben –
Dem sie sich nicht erwehren?

Kein Gesetz,
Keine Beamten,
Kein Werksnetz,
Keine Verwandten,
Keine Gene,
Keine Pläne;
Nur jenes Erkennen allein,
In euch,
Macht mich zum Papa.

Es macht mich zum Mann,
Eine Zuneigung wie deine,
In der ich mehr als dieser sein kann,
In Schmerz,
In Stress,
In Sorge,
In Freude,
In Bier,
In Reim,
In Zuneigung allein.

Alles kehrt wieder.
Hier sitzen die Hippies,
Und Poper;
Die New Waver
Gothics,
0815er,
Und die Rocker;
Die Nerds,
Die Alkies,
Die Zocker,
Und alle auch weiblich.

Seit es Schenken gibt im Land,
Leben Menschen vielfach benannt,
In den Kreisen urbaner Kultur,
Und noch im Flusse der Natur.

Es sitzt vielleicht in jeder Bar,
Ein Mensch der liebt wie ich –
Doch einzigartig – Dich;
Euch – Das wurde in dir,
Aus dir heraus wahr,
Einfach und vielschichtig,
Das erkenn ich nun,
Benenn ich nun,
Als Wichtig;
In Hitz und Lärm und Bier,
Wird mein Hirn auch trübe.

Durchs hohe Tal (Tränenstark)

Die ökonomische Gefahr,
Die sich selbst erfüllt,
Bringen Ökonomen dar,
Gesichtsverhüllt.

Der Hass schwillt an,
Aufs Fremde dann,
Wenn wir’s in uns finden
Und es nicht überwinden.

Was heut dir fehlt,
Kann dein Problem nicht sein;
Und was man sich als Gut erwählt,
Ist selten gut allein.

In aller Dinge Maß,
Bildet sich die Kunst zu leben;
Als ich all dies vergaß,
Endlich!
Fand ich es auf meinen Wegen.

Durchs trockne Tal wandre ich,
Um es mit Tränen zu bewässern.

Dienstag, 2. August 2011

Durchs tiefe Tal

Der gleichaltrigen Physiognomie,
Scheint nun so jung;
Und durch den Rost der Hierarchie,
Fiel erneut mein großer Sprung.

Meine Sorgen werden alt mit mir,
Doch vor mir sind sie bald verhallt.
Nichts wird heißer, nichts so kalt,
Als mein Empfinden, jetzt und hier.

Ich suchte stets nach Meinesgleichen,
Um ihrer Gleichheit zu entweichen,
Sobald ich sie gefunden –
Bald hatte ich sie überwunden.

Stürme kommen unter jedem Mond,
Und warum schmerzt mein Leib?
Ab wann wird die Geduld belohnt?
Ich stürme selbst zum Zeitvertreib.

Hier steh ich, nun, dumm, gescheit,
Und wie zuvor? Egal.
Ich atme noch so weit,
Ohne Höhe will ich nicht durchs Tal.

Sonntag, 24. Juli 2011

Im Facebook

Die Emotionen gehen hoch,
Die Gefühle gehen nieder.
Ent-täuscht von der Sicherheit,
Kehren einfache Wahrheiten wieder.

Einfach aber ist kein Mensch,
Kein Feind;
Der behauptet's aber,
Und seine Feinde wieder vereint.

Wir, nicht ihr!
Ich, nicht du!
So sehr man Leiden teilet,
Teilt uns auch das Gemein (Fremde) im Nu.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Strauss-Kahns geopfertes Umfeld

Im Hintergrund der aktuellen Affären ("Griechenland", News Of The World) schwimmen neue Einzelheiten, über Dominique Strauss-Kahns politisierendes Sexleben, an die Oberfläche des trügerischen Sumpfes, den wir Medienlandschaft heißen.

Offenbar hatte Anne Mansouret, die Mama von Tristane Banon, die ihrer Tochter einst riet, den Mund zu halten, als DSK (nicht der "Deutsche Sportfahrer Kreis") sie angeblich zu vergewaltigen versuchte, selbst ein Verhältnis mit dem Parteifreund und Genossen. Es sei „einvernehmlich, aber durchaus brutal“ gewesen (Ich habe meine Informationen aus der Presse/ 20.7.2011).

Da weiß ich nicht mehr, ob all das nur ein mieses Bild auf DSK wirft. Eine junge Frau wird, vom beinahe schon greisen und bladen Spitzenpolitiker „überfallen“ – was sich vielleicht noch mit psychologischer Schockstarre erklären lässt. Eine andere kommt erst bei der Veröffentlichung ihres Buches, im selben Zeitraum, darauf, dass er es bei ihr auch schon versucht hatte. Während ihre „sozialistische“ Mutter sie damals nur davor schützen wollte, sich öffentlich mit ihrem mächtigen Kollegen anzulegen, vielleicht auch, weil sie seinen „brutalen“ Sex, zu jener Zeit, so sehr genoss (wenn man selbigen als „einvernehmlich“ bezeichnet, klingt das jedenfalls nach sehr viel Spaß).

Welch feministischer Graus im Gesamtbild von Politik, Macht und dem, was sonst noch sexy machen soll. Unlängst schrieb Bascha Mika über „Die Feigheit der Frauen“. Ich konnte in dieses Buch nur vorübergehend hineinlesen, weil das furchtbare Sammelsurium aus rhetorischen Fragen mir den Lese- und Lebenswillen entzog. Aber ähnliche oder auch dieselben Fragen, kommen mir natürlich auch in den Sinn, es sei denn, ich lasse ab von der Naivität und gehe davon aus, dass der ganze Sex um Strauss-Kahn auf machtstrategischer Kalkulation beruht.
Es ist ein Machtspiel, das die Causa (vor allem aus sozialistischer Sicht) nicht weniger widerwärtig macht. Es verteilt die Widerwärtigkeit nur auf mehrere Beteiligte. Scheint jedenfalls, als ob wir auch beim Feminismus nicht darauf warten dürfen, dass er von „oben“ kommt.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Viel

Ich bin vielgeteilt;
Fürchte mich
Vor der Unvollkommenheit,
In der Zerstreuung.

Im Zusammensatz,
Den ich springe,
Mal ungewollt,
Mal so willig;
Wieder unter Druck,
Nachgebend,
Überwindend,
Dann frei,
Am Anfang wieder
Landend,
Finde ich mich wieder,
Mit allen meinen Teilen.

Meine Teile macht die Zerstreuung,
Die Vielfalt meines Seins.
Aus der Weite der Verstreuung,
Wird meine innere Weite wieder eins.

Freitag, 8. Juli 2011

Atmen

Ich sitz am Rand,
Am warmen Puls des Gelächters.
Sehe dort verschiedene Trinker.
Die Knoten im Band
Der Geselligkeit,
Zu jeder Zeit,
Binden sich
An Typen wie mich.

Ich möchte schneiden.

Alles ist ein Brei,
Alles ist zu laut!
Sie tragen sich die Quellen herbei,
Die sich kaum einer zu graben traut,
Aber jeder muss –
Nicht nur selbst
Sondern auch verlassen –
Und es gibt keinen Schluss
Der Schlüsse.

Alles kann ich fühlen, hernach.

Und alles Menschliche ist mir vertraut;
Bin voll wie eine/irgendeine Haubitze,
In der man Gebeine und Blumen verstaut,
Gefüllt bis unter die ungekannte Spitze.

Männer, die glauben,
Frauen, die glauben,
Ihre Liebe bestehe in Muskeln,
Ihre Liebe bestehe in Brüsten,
Und die Glaubenskrise,
Wie eine leichte Brise,
Die Kühlung bringt,
Aber keinen Sturm,
In dich dringt,
Als des Anderen Wurm.

Was taugen meine Lungen?

Mitleid
Bei junger Amsel Schrei,
Ich komm nicht weit,
Sie fällt im Garten frei,
Wo sie wohl die Katze holt,
Und der Nachbar seinen Spaten,
Ich kann es nur erraten,
Während sich das Mitleid wiederholt –
Und nichts sonst,
Und sonst alles.

Ich will gehen und enden,
In deinen Armen, für eine Weile.

Mittwoch, 29. Juni 2011

Vom gestrigen Schnee träumt die ÖVP

Die ÖVP fordert dieser Tage,
In der ewigen Integrationsfrage,
„Deutsch vor Zuzug“! –
Als Antwort scheint ihr das genug.

Denn der Ärmlichen Situation,
Schafft ihre liebste Migration
Und Integration, die ihr frommt,
Ist jene, die nie ankommt.

Darum achte gut darauf,
Was du in Öffentlichkeit sagst,
Dass du nicht Wienerisch wohlauf,
Statt Preußisch gar zu sprechen wagst.

Die Volkspartei ist da genau,
Und wenn ich die Satire nicht verhau,
Werd ich wohl bald durch Hefengitter gaffen,
Wegen meiner Frechheit und ihrem Terrorparagrafen.

Im Eu-Land wagte Journalist Löw zu befragen,
Den FPÖ Strache, diesen alten Bazi,
Über Hitler, den schon toten Nazi;
Was auch die ÖVP anhob zu beklagen.

Dort, im Ausland, spreche man nicht,
Über irgendeine schädliche Nazisache,
Denn das sei oberste Patriidiotenpflicht,
Vor allem für den HC Strache.

Es denkt sich wohl ÖVP-Spindelegger:
Ich weiß ich bin kein Schwarzenegger,
Doch politisches Kalkül hab ich wohl auch,
Drum graul ich des Bazis sodgebrannten Bauch...

Mit dem Kontrahenten sich’s nur nicht verscherzen,
Und kritische Fragen sogleich ausmerzen;
Vielleicht macht man bald eine rechte Koalition…
Leider hatten wir eine solche schon.

Montag, 27. Juni 2011

Die Ruhe Des Affen

Wie ein Affe tanzte ich mir
Rastlos meine freie Zeit;
Dann schenkte ich sie dir,
Und war zur Ruhe schon bereit.

Illusion Kontrolle

Gestern zahlt’ ich’s Bier,
Es schenkte heute eine andre mir.
Und verlier ich heute einen Euro,
Find ich zwei vielleicht schon morgen;
Was soll darum ich mich sorgen?

Ohne Voraussicht kam dies schon,
Wenn es auch niemand ahnen wolle,
Ehe ich denken konnte, an Kontrolle,
Diese schöne Illusion.

Verlieren Und Gewinnen

Die Waage ist dir Tor;
Schuhwerk erschwert dein Gefühl,
Drum verlierst du es, bevor
Du schreitest zu deinem Ziel.

So kommt mir dein Sinnen,
Mal zu verlieren,
Um zu gewinnen.

Samstag, 25. Juni 2011

Sei nichts wert

Nichts wert sei
Das Volk am Meer
Inselreich, das ernährt
Was es gibt her
Bleibt unversehrt

Was es behalten will
Europagleich
Vergiften laute Freunde still
Machen arm das Reich

Wert sei nichts
Im Zeichen des Geldes
Ohne Gestalt
Die Gestalt des Feldes
Aber Behält seinen Gehalt

Es stirbt der Gegenwert
In schaffenden Händen
Wenn er verwehrt
Was ihn kann enden

Drum wende ab vom Sturm
Deine schwere Seite
Kein Leben ohne den zarten Wurm
Und Ohne Geld keine Pleite
Wo Mensch und Land
Ist Wert verwehrt
Dem Geldzeichen anhand
Sei nichts wert

Freitag, 24. Juni 2011

Choosing To Answer: Reaktion auf die Reaktion Küngs

Im „Standard“, von Montag, dem 20.6.2011, stieß ich auf den Kommentar des Bischof Klaus Küng. Dieser reagiert auf die Doku „Choosing To Die“, in der Peter Semdley von Terry Pratchett in die Schweiz und dort zum assistierten Freitod begleitet wird. Küngs gut verfasster, aber inhaltlich recht verdünnter Schrieb, lässt sich mit einem Satz charakterisieren, den der Autor selbst liefert. Bezüglich der werbemäßigen Doku stellt er fest: „Dabei ist die Fragestellung manipulatorisch, das spürt jeder objektive Beobachter.“

Genau: Es geht um Emotion, denn argumentativ stellt Küng seine kirchliche Position ebenso schwach dar, wie er es den „ruhigen, schönen, bewegenden“ Bildern der Dokumentation unterstellt. In den meisten Ländern gebe es ein Verbot von Euthanasie und assistiertem Selbstmord, argumentiert er. Die meisten Länder, auf Gottes schöner Erde, werden allerdings von korrupten Regimen und Tyranneien regiert.

Ich könnte also gegenargumentieren: Gerade die Schweiz, in der es den ärztlich begleiteten Freitod gibt, ist nicht nur sehr demokratisch, sondern auch sehr katholisch. Aber das tut Nichts zum Thema und natürlich hat er Recht, wenn er meint, dass Sterbehilfe jeglicher Art ein Tabubruch sei, der auch dessen Missbrauch provozieren könnte. Auch damit, dass das Leiden zum Leben gehöre, ehe er behauptet, dass wir über unser oder das Leben anderer „nicht einfach verfügen können“. Seine Begründung: „Weil wir es empfangen haben“.

Wir könnten also nicht über unser Leben verfügen, aber Selbstmord sei eine Absage an die menschliche Autonomie (wie auch Kant meine, was offenbar als Schmankerl für die Standard-Leserschaft gedacht ist)?!

Fraglich ist auch, warum sich die Kirche nicht gegen eigene Jugendeinrichtungen oder den Aktienmarkt engagiert – diese Bereiche beinhalten schließlich ebenso die Gefahr von Missbrauch. Man informiere sich bei der so genannten „Klasnic-Kommission“ oder der Vatikan Bank (der Mafia religiöseste Waschmaschine).

Letztlich ist es auch „manipulatorisch“, Selbstmord mit Euthanasie gleich zu setzten. Letzteres ist, bei ungeborenen Menschen mit Behinderung, auch in Österreich, immer noch legal. Hier wenigstens, kritisiert die Kirche mit besseren Argumenten. Wir treffen Entscheidungen für die Ungeborenen und Kinder, da bzw. wenn diese selbst nicht dazu in der Lage sind – deshalb müssen wir uns, in ihrem Sinne, für das Leben entscheiden. Jeder mündige Mensch wird allerdings nicht gleich, durch seine tödliche Krankheit, entmündigt, wie der Bischof offenbar teilweise suggerieren möchte.

Auf demselben Zeitungsblatt wird übrigens Sven Kuntzes „Altern wie ein Gentleman“ präsentiert. Dieser setzt sich für die Sterbehilfe ein, fordere ein Recht auf selbst bestimmtes Sterben, was ein wenig irreführen umschrieben ist. Aktive Sterbehilfe bzw. Begleitete Selbsttötung und den Freitod im Allgemeinen, sollte man nicht verwechseln. Auf Letzteres hat jeder Mensch ein Recht. Es ist nicht möglich, jemanden (außer durch unmenschliche Gewalt) dauerhaft an einem Selbstmord zu hindern oder ihn dafür zu bestrafen, weshalb ein Gesetz, gegen den Freitod im Allgemeinen, nicht existieren kann.

Die Assistenz bei der Selbsttötung hat nur den Sinn, diesen Freitod zu erleichtern. Ein medizinisch begleitetes, schmerzfreies und sanftes Sterben, ist natürlich verlockender, als sich selbst den Strick drehen zu müssen, wenn man dazu überhaupt noch in der Lage wäre.

Ich beispielsweise habe eine dezente Höhen- und Gewässerangst und darf, als ehemaliger Zivildiener, keine Schusswaffen erwerben, wodurch einige unkomplizierte Suizidarten für mich wegfallen. Allerdings liebe ich heiße Bäder.

Gegen die interessante Methode, sich im warmen Wasser die Pulsadern zu öffnen, habe ich jedoch hygienische, geschmackliche Hemmungen. Immerhin müssten andere Personen, nach mir, die Wanne noch benützen – Ich neige dazu, in WG’s zu wohnen. Während ich mich deshalb nicht vor einen Zug, vor allem nicht die U-Bahn, werfen würde, weil ich dies den Fahrgästen, insbesondere den jeweiligen FahrerInnen, nicht zumuten wollte.

Man sieht, ohne Hilfe ist das freiwillige Sterben nicht unbedingt einfach. Vielleicht habe ich derzeit auch zu wenige Gründe, mich umbringen.

Nachsatz: Entlässt man sich durch die Selbsttötung auch aus der menschlichen Autonomie, indem man offenbar aufhört Mensch zu sein, so müsste dies für jegliches Sterben gelten. Die Selbsttötung, wenn es tatsächlich eine solche ist, bleibt jedenfalls ein (letzter) Akt menschlicher Autonomie.

Montag, 20. Juni 2011

Lektionen

Es ist nicht immer leicht,
Mit mir zu leben,
Sagte ich,
Mir.

Heute wieder kam der Sturm,
Im spätsommergleichen Licht,
Darin wandte er
Der Bäume Blätterheer;
Darin in sonderlichem Strahle stand
Altmeisterlich getürmte Häuserwand.

Menschenhand schafft nicht den Glanz,
Die Schönheit der grünenden Blätter;
Goldes Schliff ahmt es nicht nach,
Was die Sterblichkeit gebiert.

Würde man Blätter als Währung verstehen,
In ihrem Werden und Vergehen,
Wer würde noch verhungern?
Jene, die auf Schätzen lungern.
Der Glanz des Lebens kommt in Sterblichkeit,
Kennt ewig keine Ewigkeit.
Nach ewigem Wuchs die HändlerInnen streben,
Ohne Tod, drum wird ihr Schaffen sterben.

Ohne beklagenswerte Vergangenheit,
Nichts zu beklagen hätt’ ich heut;
Und keine Klagen hinter mir,
Wüsste nichts
Von der (durchschreitbaren) Tür.

Ich durchschreite die Nacht,
Dem Morgen entgegen.
Hat es der Wanderer Bedacht?
Ohne Sonne gibt es keinen Regen.

Ich danke dem Tod,
Dass er mein Leben speist,
Danke dem Leben,
Dass es mit dem Ziele reist.
Danke Gott,
Dass es mir Lektionen weist.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Tao Wohl

Tao wohl.
Die coolen Menschen ersten Blicks,
Geben mir nichts auf den Zweiten her.
Augenblicke spiel’n dem Auge Tricks,
Spülen die übrigen Sinne leer.
Mit Nichts und Leere
Erfühle ich das All.
Nichts ist mir die Lehre
Der Fülle, die der Fall.

Dann du Mensch,
Du Unscheinbares,
Stolperst über meine Bahn,
Zeigst mir Falsches, Wahres,
Eh’ ich das Sehen öffnen kann.
Wie vertraut bist du uncool,
Tanz nur so, bin nicht schwul.

Von Wurzel zu Blatt,
Das wildeste Wiesenfeld,
Liegt inmitten der Stadt,
Wo dem Schauer gefällt,
Der Mond, mit Wolkenspiel,
Selbst wenn er rötlichen Dunkelspuk
Versäumt, so selten dieser will,
Er ist ihm stets einzigartig genug.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Da Heim

Meine Lieblingsbar,
Ruhig beinah,
In sanft erhellter Dunkelheit,
Dem Auge nah
Die Menschen weit
Und tief, und ganz sonderbar.

Spätsommergleiches Licht,
Auf der Bäume Blätterheer.
Die Birke dort in meiner Sicht,
Schlank, weiß und stets hierher,
Ins junge Herz mir Sticht.
Die leisen Tränen lachen sehr.

Und der brüderliche Wind,
Mal mild,
Mal wild,
Drängt an mich geschwind,
Mit wortlosen Fragen,
Dich mir die Jahre jagen.

Frauen auf den Leiterstiegen,
Die von oben Whiskey bringen,
Werden mir das Schauen biegen,
Lassen Schönheit in mich dringen,
Für den Moment dort nur.
Wohin führt wohl ihre Spur?

Spätsommergleiches Licht,
Auf Birkenblätter Helle,
Wind wellt mild und dicht,
Reiseduft an jede weite Stelle.
Menschen und eine gute Bar,
Vertraut – Hier ist Heimat nah.

Dienstag, 7. Juni 2011

Obersmegaskandal (Endlich mal wieder): Boulevard greift erneut Agrarwirtschaft an*

Sappalot: Der Schauer findet Würgreflex wieder

Ein Grundlegendes Problem, dass mit der Bequemlichkeit gewisser Errungenschaften einhergeht, scheint – historisch immer wieder eindeutig und unwiderlegbar belegbar – Folgendes zu sein: Eine verhältnismäßig große Gruppe hart arbeitender Menschen wird von einer verhältnismäßig kleinen Gruppe, die nur begrenzt und wenn dann hauptsächlich an ihrem Image arbeitet, systematisch schikaniert. Manchmal geschieht diese Schikanierung auch ohne System, aus reiner Fahrlässigkeit bezüglich der eigenen Unfähigkeit.

Jenes Boulevard-Billigblatt, das die säumige Regierung immer noch nicht, wegen dem Plagiat an der Österreichischen Republik, anzeigte, titelte unlängst, dass die Soja-Sprossen schuld an der EHEC-Epidemie seien – wieder einmal, bevor dies bewiesen ist. Zwar gilt die Titelzeile im Boulevard quasi als realitätsfreier Raum, in dem alles (offenbar) künstlerisch behauptet werden darf (siehe Titel zu diesem Artikel)*, aber das liegt wohl an der Berücksichtigung und Bewahrheitung des alten Spruchs: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Nach den spanischen Gemüsebauern, den heimischen Gurkenproduzenten und Bioläden, holt das Billig-Medium also auch gegen europäische Sojabauern aus. Fragt man sich, was diese Zeitungsschreiberlinge gegen die Gemüsewirtschaft haben. Werden sie vielleicht von der Fleischindustrie geschmiert? Gerade ohne Sojaprodukte, macht die vegane/vegetarische Ernährung keinen Spaß. Oder sind medizinische Unternehmen involviert, die, bei steigendem Krebsrisiko aufgrund gemüsearmer Ernährung, somit ihre Mittelchen besser verkaufen können?

Vielleicht sind diese selbsternannten, dem leichtgläubigen Volke stets Honig ums Maul schmierende VolksröhrerInnen, auch nur deshalb profitorientierte Junk-Medien-PfuscherInnen, weil sie nichts anderes können – Die niedere Bodensatzschicht eines neuen Adels, der sich in unserer Gesellschaft etabliert. Vielleicht entwuchsen sie allesamt dem Substrat eines medienwissenschaftlichen Massenstudiums, durch das sie sich vermutlich geschummelt und plagiiert (früh übt sich…) hatten. Wer nicht in der Berufspolitik oder dem Topmanagement der Wirtschaft landete, wurde zu den Knechten ihrer Akteure; und manchmal bauen diese Söldner der Dekadenz Mist und schädigen die Besitzungen ihrer hohen Damen und Herren – wie beispielsweise den Agrarsektor der EU.

Manchmal bringen sie ihre Übergeordneten auch auf dumme Ideen. Panik zu verbreiten, ist eine solche. Grundsätzliche Frage: Hat sich schon jemand – dort „oben“ – eigentlich überlegt, wie viel Obst und Gemüse täglich in Europa verzerrt wird? Wenn man dies mit den Zahlen, der, vor allem regional in Deutschland, mit EHEC-Erregern Infizierten, vergleicht, erscheint es seltsam, deshalb ganze Gurkenernten zu vernichten.

Bei soviel finanziellem Schaden und gleich nach der Ernte vernichtetem Gemüse, zu dem nicht nur die verdächtigen Gurken und Sojasprossen gezählt werden müssen, fragt es in mir weiters, woher die ganzen Nichterkrankten eigentlich kommen, also all jene Millionen EuropäerInnen, die zur selben Zeit, wie die Infizierten, Tonnen an Gemüse aßen.

Man stelle sich vor, ein dunkelhäutiger Moslem mit einem Rucksack, sprengt sich an einem belebten Ort, irgendwo auf der Welt, in die Luft und schon werden andere dunkelhäutige Moslems mit Rucksäcken, auf der ganzen Welt, verhaftet, auch wenn sich herausstellt, dass die alle gar nichts verbrochen haben. Manchmal wird einer sogar erschossen, weil ebenfalls dunkelhäutig ist und einen Rucksack trägt. Ich gebe zu, dass ist ein schlechtes Beispiel, denn genau diese Absurdität ist ja bereits geschehen…Mal gucken…einfacher…

Stellt euch vor, in eurer Familie hat jemand eine Magenverstimmung. Es wird bald herausgefunden, dass der Käse, den die betroffene Person aß bereits abgelaufen war und sie das Gemüse, vor dem rohen Verzerr, nicht wusch. Ihre Eltern beginnen daraufhin, allen Nachbarn, Bekannte und Verwandte davon zu erzählen. Diese sprengen daraufhin ihre Kühlschränke in die Luft...mitsamt den Häusern. Ihre Gratiszeitungen brachten allerdings vorsorglich in Sicherheit.

Montag, 6. Juni 2011

Sonntags Menschenwesen

Lächeln oder grimmen sie mir,
Ist’s wahr, was ich sehe?
Und bringt das Satzzeichen hier,
Mir Ruhm oder Wehe,
Bei mancher Leser Meinung?
Sie ist ein einarmiger Bandit.
Es trifft dich bei der Steinigung,
Der Richter, der nichts sieht.

Auch ist der Henker blind
Und füllt die Welt mit fremdem Blut,
Das nicht verrinnt, so geschwind,
Wie dem Sehenden der Mut,
Wenn sein Blick nur eine Schärfe kennt.
Diese schneidet, was er findet.
Zerschnitten ist, was er benennt,
Doch stumpft sie ab, was ihm entfremdet.

Sich den Ewigen Juden erspann,
Richard Wagners pausierender Geist.
Was musikalisch er schön ersann,
Uns nicht auf dies Fehlen verweist.
Hier ist Fülle, dort ist Leere,
In einem Mann, der nicht göttlich wird,
Weil mancher Mensch geistiger Lehre,
Übrigen (Menschen)Wesens Schaffen ignoriert.


Freitag, 3. Juni 2011

Topmegawahnsinnsthema: Boulevard vernichtet heimische Gemüsebauern*

Die Killer-Zeitungen: Warnung vor unausgegarten Boulevard-Medien auch aus Österreich!

Das HUS, stammt nicht vom österreichischen Ausdruck „Hussen“ (aufwiegeln, hetzen – nach ostarrichi.org) ab, sondern kürzt das hämolytisch-urämisches Syndrom ab, das durch eine neue EHEC-Art ausgelöst wird und ganz Europa, bereits seit über einer Woche, nicht nur die Gurken versauert. Einzelne österreichische Bioläden kamen auf eine, von der Regierung zusammengestellten, Warn-Liste, die sich in einigen Zeitungen wiederfand. Vor allem der so genannten Boulevard – also Zeitungen, die man ursprünglich lediglich zum Stopfen von Schlaglöchern verwendet hatte – druckte daneben übergroß, welche Gemüsesorten einen wahrscheinlich umbringen würden.

Es stellte sich mittlerweile allerdings heraus, dass auf jenen spanischen Gurken zwar EHEC, aber nicht jene gefährliche Unterart gefunden wurde. Wie man also daraus voreilig schließt, dass auch sämtliche Tomaten und Melanzani, vor allem – wie der Boulevard ausdrücklich betont – aus Bio-Produktionen zu meiden und zu „vernichten“ seien, kann nur mit einem Ausbruch von Panik erklärt werden. Da können die betroffenen Bioläden auch erklären, dass sie zurzeit gar kein Gemüse aus Spanien beziehen – es wird nicht mehr gehört. Den österreichischen Gemüsebauern selbst bleibt nur hinzu zu fügen, dass diese mediale Panikattacke sie 50 – 70 % ihres Gurkenabsatzes (Bundesgemüsebauverband) kostete.

Ein hoher Gesamtschaden, auch andere Gemüsesorten betreffend, ist also auch in Österreich zu erwarten, wo dieser neue Erreger noch keine Todesopfer forderte und die Zahl der Infektionen bzw. Verdachtsfälle vergleichsweise gering ist. Dass jene heimischen Boulevard-Blätter gratis bzw. – im wahrsten Sinne – billig sind, macht den Schaden, den sie unserer Agrarwirtschaft zugefügt haben, leider nicht wett.

Ausgerechnet die unter dem Husser-Syndrom leidenden SensationsverwerterInnen, die pseudopatriotischen SchönfärberInnen und „Wir-sind-wir“-ArschkriecherInnen, selbsternannte Sprachröhren des kleinen Mannes (die sich zudem wie das Land zu nennen wagen), vernichten mit ihrem Billigjournalismus den heimischen Gemüseumsatz. *Dass sich dies, im Titel dieses Artikels, ein wenig anders anliest, ist kein Widerspruch: Nach den Regeln der ZeitungsmacherInnen, müssen Headlines keine Wahrheiten beinhalten.

Fazit: Man weiß zwar immer noch nicht, wo die Erreger des HUS, in diesem Ausmaß, herkommen; wo die volkswirtschaftlich schädlichen Husser und Husserinnen aber zu finden sind, zeigt sich durch diesen Fall sehr erhellend. Selten ist so gut sichtbar, wie medial verbreitete Geschmacks- und Inhaltslosigkeit zu realen Problemen führt. Ich warne daher ausdrücklich vor dem Konsum unzerkochter, unjournalistischer Medien aus Boulevardien.

Samstag, 28. Mai 2011

Wirtschaftexpertise und fehlende Skepsis

Wirtschaftsminister Mitterlehner diagnostiziert folgerichtig, dass „die Politik“ kein Wirtschaftsexperte ist. Interessanterweise scheint es kein Widerspruch zu sein, wenn WirtschaftsexpertInnen (ähnlich wie „JuristInnen“ bzw. Personen, die irgendwann einmal Juristerei studiert haben), zugleich als ExpertInnen für jeden beliebigen Bereich der Politik betrachtet werden.

Als wollte er genau das demonstrieren, meldete sich kurze Zeit später Wifo-Chef Karl Aiginger zur Gesundheitspolitik. Weil 2050 die Ausgaben für Gesundheit um ca. 5 Prozent des BIPs (auf insgesamt ca. 15%) steigen könnten, soll man in Gesundheitsvorsorge investieren. Sein Vorschlag: Krankenhausbetten reduzieren und Versicherte zur Krankheitsprävention verpflichten.

Das wirft, einem Dilettanten wie mir, einige Fragen auf – hab ja weder Jus noch BWL studiert und bin deshalb auch kein Allround-Experte: Muss man GesundheitsexpertIn sein, um zu wissen, dass die PatientInnen nicht weniger werden, nur weil man ihre Aufnahmemöglichkeit im Krankenhaus reduziert? Sollte man sich, als Wirtschaftsexperte und Professor, so etwas nicht ausrechnen können, ebenso wie die Möglichkeit, dass nicht nur die Bevölkerung, sondern auch das BIP, wachsen wird. Oder hat dies Herr Prof. Aiginger in seiner Kalkulation berücksichtigt und will nur besonders witzig sein – strebt er vielleicht bald selbst einen Krankenstand an? Und gilt der Zwang zu Gesundheits… ich meine Krankheitsprävention, auch für Privatversicherte?

Soll selbiges in Pflicht-Kursen abgewickelt werden, die jene Versicherten indirekt selbst bezahlen würden und wodurch wieder irgendein privater Kursveranstalter an der Sozialversicherung mitverdienen würde? Oder kommt es zu vorsorglichen Verboten? Dürfen RaucherInnen beispielsweise nicht mehr rauchen und PassivraucherInnen nicht mehr passivrauchen, wenn sie kankenversichert, sprich österreichische ArbeitnehmerInnen sind (dazu sollte er sich vielleicht einmal den PseudonichteraucherInnenschutz der Regierung genauer ansehen, von dem die Tabakindustrie stärker profitiert, als die Gastronomie)?
Vorläufige Antworten auf diese Fragen lassen sich in der Tatsache finden, dass Wirtschaftsrankings, wie dem „Global Competitivneness Report“ beispielsweise des World Economic Forums, unter anderem auf der Privatmeinung von Manager(Inne?)n beruhen. Das ist so sinnvoll und wissenschaftlich, wie BankerInnen über ihre Meinung zur Bankenabgabesteuer zu befragen. Dennoch diktieren solcherlei pseudowissenschaftliche Meinungsbildungen, verbreitet über diverse Medien, die Wirtschaftspolitik, dadurch die Finanzpolitik und somit letztlich die gesamte Politik der Staaten.

Diese handeln nach dem Diktat der Wirtschaftexpertise, weil sie ansonsten fürchten müssen, von irgendeiner Ratingagentur in ihrer Kreditwürdigkeit herab gestuft zu werden.

Selbige Ratingagenturen ermitteln möglicherweise ebenfalls mit recht fragwürdigen Methoden, beispielsweise unter folgender Voraussetzung: Die Wahrscheinlichkeit, dass der gewählte/geratene Wert einer Volkwirtschaft sinkt, steigt mit der Ablehnung ihrer Regierung, Investitionen im Interesse der Ratingagentur zu tätigen bzw. die Investitionen deren (zufälligen) Bekanntschaften zu subventionieren.

Das funktioniert natürlich nicht immer: Griechenland kaufte zwar, im selben Handschlag zur europäischen Finanzspritze, ein paar deutsche U-Boote, die es nicht braucht und deren Wartung es sich eigentlich nicht leisten können dürfte (siehe: Grund für die finanzielle Unterstützung), bleibt aber dennoch von allen Seiten – so zusagen – vernascht und zwar auf „Griechisch“.

Die SpanierInnen haben diesbezüglich zwar mehr Erfahrung mit gewissen „Fliegen“, wie ich hörte, aber ihre Krise verläuft wohl ähnlich. Woraufhin sich die Journal-PopulistInnen der heimischen Gratis-Reklameheftchen, wohl bald nicht mehr über das Elend der Griechen lustig machen, sondern auch die Spanier und Portugiesen, teils rassistisch, beschimpfen werden.

Dass dieselben „Zeitungen“ nicht die Frage aufgreifen, warum alles im Interesse der Privatwirtschaft neu geordnet wird und warum diese „ExpertInnen“ für unfehlbarer gehalten werden, als der Papst, ihnen alles unhinterfragt abgenommen bzw. abgekauft wird, ist vermutlich kein Zufall. Der gut abgerichtete Mensch beißt die Hand nicht, die ihn füttert, solange sie zu Füttern hat und egal woher das Futter kommt.

Es gibt zwar Personen, darunter echte ExpertInnen, die das alles und mehr noch hinterfragen, aber leider von den meisten Medien ignoriert werden. Während manche WirtschaftsexpertInnen sogar dann in allen Medien erscheinen, wenn sie, im Zuge ihrer Wirtschaftsweisheit, auch sozialphilosophische Säue vor die Perlen werfen.

Da diese FreundInnen der staatsverzerrenden Finanzwirtschaft ständig zu allem etwas sagen dürfen, während ihre Opposition, in recht undemokratischer Weise, beinahe schon in die ehrenamtliche Untergrundliteratur verdrängt wird, kann man auch beinahe schon von tendenzieller Meinungs-Zensur sprechen, na, jedenfalls von unausgeglichener Berichterstattung. Das ist etwas, das zufällig vor allem Tyranneien sehr lieben, genauso wie das Enteignen…Ups! Ich wollte sagen, wie das „Privatisieren“ des Besitzes der StaatsbürgerInnen, zum materiellen Vorteil einzelner Privatpersonen.

Und wo wir gerade bei Übertreibungen sind: Die Hoheit gewisser Eliten und ihrer materiellen Interessen, über die (sozial)politischen Ideologien und Moralvorstellungen, hat noch nie sonderlich gut funktioniert, geschichtlich betrachtet, und zwar für alle Beteiligten. So wie das geschäftig reiche Bürgertum, die Deutungs- und Moralvorstellungen von Kirche und Krone einst in Frage stellte, müssen die Menschen unserer Zeit beginnen, selbiges gegenüber dem bürgerlichen Geldadel zu praktizieren.

Was wir, mit unseren „westlichen“ Demokratien im EU-Land, tatsächlich vom arabischen Frühling lernen können, ist, die offizielle Expertise skeptischer zu betrachten. Uns mangelt es an Skepsis durch schlechte Erfahrung, die es in den arabischen Ländern im Überfluss gibt. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

(Quellen üblicherweise "Der Standard")

Freitag, 27. Mai 2011

Rechtskraft

Seit Jahren ist der HPM angeschuldet, doch kann er sich noch verteidigen, gegen erneute Anschuldigung, denn der Gerichtshof Europas bekräftigte bisher nicht rechtskräftig, den Missbrauch des Amtsgeldes. Es schlägt um sich, wer schlagend nicht zu treffen vermag.

Im Mittelmeer treiben die Flüchtlinge einer verrodeten Welt, mit dem Menschenrecht auf Leben, geschrieben auf den Papieren der Gerichtshöfe der Menschheit, ihnen zu und doch ertrinken und verhungern sie. Wer nichts zu geben hat, kann niemandem ein Recht auf etwas Zugebendes verleihen, ohne schuldig zu bleiben.

Öffentliche Verkehrsmittel bauen Aufzüge in ihre Stationen, mit denen jene weiterreisen mögen, die nicht in der Lage sind, rollende oder nicht rollende Treppen zu benützen. Die Nutzung der Aufzüge wird durch jene eingeschränkt, die zur Treppennutzung in der Lage sind – das ist ihr schlechtes Recht, die Faulheit aber ist keines, das zu garantieren wäre.

Jeder hat das Recht, einen Hund durch die Gassen zu schleifen, nicht aber, dessen Exkremente dort zu verteilen. Nicht jeder hat einen Hund, aber jeder hat dessen Scheiße auf dem Asphalt oder Schuh. Gemeinschaft ist kein Recht, hat aber Rechte und Regeln, wie der Körper seine Säfte und Gelenke. Saftkraft ist kein Recht, das zu garantieren wäre.

Was ist ein Recht, das nicht zu garantieren ist, anderes als nutzlos? Vielleicht ein schönes Schmuckwerk der Rechtsblasensprechung, eine Beruhigungspille für alle, die gerne in einem Rechtsstaat leben (würden). Ein nutzloses Recht, wenn daran festgehalten wird, ist aber zugleich als Unrecht zu nennen, wenn Unrecht das ist, was in seinem Wirken im Gegensatz zum Recht steht.

Medienmacher benennen ÖsterreicherInnen des Jahres. Was aber verschafft ihnen die Möglichkeit, zu einer solchen Wahl unter allen Mitgliedern dieses Staates? Was gewährt jener Zeitung das Recht, den Namen der Republik, der allen ÖsterreicherInnen gehört, als ihren Besitz zu führen? Nichts und nichts, außer die Rechtskraftlosigkeit einer Justiz, die dort schweigen muss, wo sie sprechen sollte.

Es gibt kein Recht auf Dummheit, aber die Möglichkeit dazu. Hooligans stürmen das Spielfeld. Recht unklug vermummt, da die einzigartigen Tätowierungen am nackten Oberkörper prangen. Sie prangen auch in einer Zeitung. Die spielt sich, im Namen des Rechtsstaates, auf, will die Dummen wegsperren lassen, stellt sie jedoch an den fotografischen Pranger – ein Rechtsmittel, das aus dem vermeintlich verteidigten Rechtsstaat längst verbannt wurde.

Innerhalb seiner Grenzen darf der Henker nicht Richter zugleich sein. Welche Möglichkeit haben diese ZeitungsmacherInnen also, straftätigen Hooligans die Gerichtsbarkeit fälschlich vor-wegzunehmen und sich selbst dadurch als mediale Hooligans zu erweisen? Keine Möglichkeit, außer das Fehlen des Rechts, die Rechtlosigkeit, mit einem Ersatz aufzufüllen. Ein Rechtsersatz ist aber kein Recht, ansonsten wäre er Recht und kein Ersatz. Das Recht braucht die Möglichkeit seiner Umsetzung, aber eine Möglichkeit zum Handeln erschafft nicht unbedingt ein Recht.

Es ist kein Recht zu irren, aber eine Möglichkeit. Mein Recht ist es aber, aus meinen Irrtümern zu lernen. Das eine widerfährt mir, das andere nehme ich mir heraus, aus dem Leben, mit all seinen Irrtümern. Rechtskraft ist auch nur eine Möglichkeit. Ohne sie

Donnerstag, 26. Mai 2011

Klarstellung: Homosexualität

Klarstellung: Homosexualität

Abgesehen von Entwicklungsländern, deren traditionelle Geistigkeit, nach den früheren Eroberungen durch andere Unsympathler, letztlich durch den euro-amerikanische Funktionalismus weitgehend verdrängt und/oder beschädigt wurde, gilt in weiten Teilen der so genannten „westlichen“ Welt: Über Schwule redet man nicht deppert. Zumindest nicht öffentlich oder wenn man mit „schwul“ tatsächlich schwul meint.

Da aber auch in der, mit immer mehr „NATO“-Stacheldraht (die humanere Rasierklingen-Technik) befestigte, Hochburg des Humanismus, im EU-Land, Vorurteile gegenüber Homosexuellen herrschen, biete ich hier eine beinahe wissenschaftliche Klarstellung zu diesem Thema.

Homosexualität ist nicht pervers, sie ist natürlich und notwendig. Beispielsweise vermindert sie, völlig unkompliziert, die Gefahr der Überbevölkerung. Diese war auch in den europäischen Zeiten der Massenkriege, von den jeweiligen MachthaberInnen, sehr geschätzt. Mit der Friedenszeit aber, kam allmählich auch die weitgehende, öffentliche Akzeptanz der gleichgeschlechtlichen Liebe – wenigstens wird sie, von manch durchgeknallten pseudokonservativen Kreisen abgesehen, nicht mehr als Teufelswerk und Todsünde betrachtet.

In Staatsgebilden jedoch, in denen Homosexuelle auch öffentlich verfolgt und unterdrückt werden, herrscht zugleich ein massiges Problem mit der dortigen Masse an Menschen. Das soll natürlich nicht heißen, dass China allein deshalb in der demografischen Zwickmühle, zwischen Überbevölkerung und Überalterung, steckt, weil man Homosexuelle gerne in Umerziehungslager steckt. Aber die tendenzielle Blödheit, die mit der gesellschaftlichen Homophobie einhergeht, entspringt demselben Ungeist: Wer ein Volk unterdrückt, muss die Natur der Menschen unterdrücken; tut man dies lange genug, gerät die menschliche Natur in eine gewisse Vergessenheit, die aber niemals absolut sein kann.

Betrachten wir die Homosexualität anhand einer kleinen – sagen wir – vorurbanen Sippe. Der von uns angenommene Mangel an Verhütungsmittel sorgt für rege Fortpflanzung. Ohne die Sterblichkeitsrate unter Kindern zu berücksichtigen, kommt jedes Pärchen, im Laufe seines Zusammenseins, auf ca. 3 - 5 Nachkommen. Nun wissen alle Eltern, dass es mindestens 3,5 Erwachsene für die Betreuung eines Kleinkindes braucht, wenn man nicht den Verstand verlieren will.

Zwar weiß man mittlerweile, dass Jäger & Sammler-Gesellschaften weit weniger Zeit benötigen, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, als der moderne Großstadtmensch, aber langweilig wird diesen „Indigenen“ dennoch nicht. Somit muss ein Elternteil jagen und sammeln gehen, ein anderer sich an der kollektiven Hausarbeit beteiligen. Nebenher passt man auf die Kinder auf. Die Großeltern unterstützen dabei, aufgrund ihres harten Lebens in der Natur, sind sie allerdings bereits einem rechten Verschleiß ausgesetzt und die Lebenserwartung ist vermutlich auch nicht all zu hoch.

Wer hilft da in der Not? Wer hat sogar zwei Hände frei, um den Groß-/Eltern übrige Arbeit und/oder Kinderbetreuung abzunehmen? Richtig: Junge, gesunde Erwachsene, die sich selbst nicht fortpflanzen, weil sie gleichgeschlechtliche Sexualität bevorzugen (wir wollen, nur zum Spaß, davon ausgehen, dass kein Adoptionsprogramm, in Verbindung mit anderen Sippen, oder Leihmütter zur Verfügung stehen).

Diese Individuen, die nicht aufgrund von Krankheit, Behinderung oder Sexlosigkeit kinderlos bleiben, haben nicht weniger Nutzen für die Gemeinschaft, als Kranke, Behinderte oder unattraktive Eigenbrötler. Das gilt auch, wenn man die Logik der Evolution nicht einsehen kann. Es funktioniert auch als göttlicher Plan wunderbar.

Bisexualität oder Transgenderismus-Sexualität (wie auch immer) ist, sozial betrachtet, ebenfalls nicht zu verachten. Es muss in Gesellschaften immer GrenzgängerInnen geben, die als MittlerInnen zwischen unterschiedlichen Erfahrungsbereichen auftreten. Wie man es auch wendet: Bi- und Homosexualitäten sind natürlich und gut. Wer diesen Sexualitäten Perversität unterstellt, ist wahrscheinlich selbst nicht ganz natürlich in der Birne. Ergo sollte man besser homophobisch gestörte Personen in Umerziehungslager stecken – oder in psychiatrische/ therapeutische Anstalten, wie man sie bei uns nennt (Huch! Eine dezente Übertreibung).

Auch wenn das niemanden davon abhält, auch neben seiner unbegründeten und allgemeinen Abneigung gegenüber Homosexuellen, auch ansonsten ein Trottel zu sein. Man sehe sich, als Beispiel dafür, nur die FDP an; oder die neoliberalen anderer EU-Länder; nur nicht jene Osteuropas bzw. Österreichs.

Bei denen wären schwule Spitzenkandidaten schließlich ein Bruch mit der katholischen bzw. nationalistischen Wählerschicht. Wer reindeutsch bis deutschkultiviert oder katholisch ist, treibt’s nicht mit dem gleichen Geschlecht. Ha! Zumindest nicht öffentlich.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Post-Laden

Was, wo, wie studieren
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Alle ze(h)n buddhistischen Wege
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Short Wonder Short

I feel the earth shaking;
Stars are falling from the sky.
But all the people are grinning;
And I just wonder why.

Freitag, 20. Mai 2011

In The Break Of The Light

In the break of the light,
Everything ends in terrible ways.
I roam my own thoughts,
To find someone else who might pays.

The big crystal fountain,
Seems to be nothing than a lie,
But its ice-cold water sprays
You feel below and feel high.

The water now is everywhere,
But nothing that keeps a looser alive,
And what kills him is not rare,
He’s loosing all and starts to thrive.

There is nothing left but pain,
As I walk trough the dark rain;
So I’ am loosing all my cloth,
And I’ am loosing that damn stain.

Here I’ am! The wind now howls.
He’s my brother, never left me back;
Between the wolfs teeth I’ am carried,
Roving and following the stormy track.

My blood runs to the mountain streams,
And down that way to the open field,
Over the night-shadow hill it seems
That I breeze away under the moons shield.

So I’ am lose and shielded that way,
To nowhere - I guess - that is nowhere,
But than again wherever you still stay,
It’s like your breath to heavens air.

My pain is just the sign, the urge
To see you baby and the others all,
Who send me away with great passion,
That I’ll write back on my roads sidewall.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Lemonparty

Als Jon Stewart, in seiner US-amerikanischen „The Daily Show“, die „Lemonparty“ erwähnte, googlete ich sie natürlich, wie suggestiv nahe gelegt. Ich war froh, die Website noch nicht gekannt zu haben und weniger schockiert, als ich vielleicht sein sollte – aber nicht sein müsste, denn: Hey! Schließlich kann niemand von uns wissen, womit wir uns in diesem Alter die Zeit vertreiben werden. Sex ist gesund. Was ich sah, war also möglicherweise ein Abbild der US-amerikanischen Zukunft. Sex-Care. Aber wenn es mit der Finanzpolitik auch in Europa so weiter geht, wird dies vielleicht auch bei uns, die einzig zur Verfügung stehende „Health Care“ sein (Suck it, suck! I need my cholesterol going down!) Also bereitet euch schon einmal darauf vor und suchmaschinensucht: „Lemonparty“!

Vorsicht! Wer sich peinliche Fragen von seinen Kindern nicht anhören will, sollte diese nicht zusehen lassen.

Montag, 9. Mai 2011

Erwartend die Nacht

Kaltfühlig kommt die Nacht mir ans Fenster,
Der Löwenzahn wird ausgesät, vom Wind,
Der auf sanften Wellen trägt, als Erster
Hier, Mückentier mir und Traum dem Kind.

Im Kindlichen lehnt weich mein Hirn,
Während die Schwalben bald einstellen,
Ihre Jagd, ehe zum verborgenen Gestirn,
Sich die Fledermäuse frisch gesellen.

Schlaf ist Pflicht, ist Krieg mir bald,
Über der Taubenschlucht hinweg und voran,
Lärmt dann mein Kampf, bis sie verhallt,
Die Stadt und ich Traumkind sein kann.

In Einsamkeit starrt das dunkelnde Blau,
Da auch ich der ersten Sterne harre,
Der Trost der Nacht, dem ich vertraue,
Weil ich muss, erwartend das Unerwartbare.



Donnerstag, 5. Mai 2011

Bin Laden und die Menschenrechte

Der Zweck heiligt nicht die Mittel, aber die Mittel heiligen auch nicht den Zweck. Wenn man von der Schuld eines Menschen, wie Osama Bin Laden, überzeugt ist, ihn aber nicht vor ein Gericht bringen kann, dieser Zugleich aber eine Gefahr für die BürgerInnen darstellt, so ist seine Eliminierung, auch ohne Gerichtsverfahren, gerechtfertigt. Denn ein Gericht schafft nicht Gerechtigkeit, sondern stellt sie fest und es könnte sie auch nicht feststellen, wenn Gerechtigkeit nicht unabhängig von ihm existieren würde. Soviel dazu.

Emotional berührt es mich aber heftig, dass über die Menschenrechte eines eindeutig schuldigen – hat er sogar mit seinen Taten geprahlt – Terroristenführers diskutiert wird, während in großen Teilen Europas, vor allem auch in Österreich, nicht auf die Menschenrechte bestimmter „Randgruppen“ geachtet wird, diese nicht gewahrt werden (beispielsweise Menschen mit Behinderung, AsylwerberInnen, Schubhäftlinge oder Bettlerinnen).

Das ist, als ob man darüber debattiert, ob man in jedem Fall das Leben des Geiselnehmers schützen müsse (was theoretisch eine richtige Überlegung ist) und dabei völlig auf das Leben seiner Geiseln vergisst (was praktisch fahrlässig wäre).

Nach allem, was ich über Osama Bin Laden erfuhr, ist sein Tod bei weitem nicht das Schlimmste, das ihm passieren konnte. Das Schlimmste ist ihm bereits zugestoßen: Sein Lebenswandel. Natürlich begrüße ich, dass die JuristInnen dieser Welt über dieses Thema philosophieren. Es ist wichtig. Wichtiger aber noch, die praktische politische Frage – auch philosophisch – zu ergründen, warum Bin Laden gejagt wurde, andere, vom „Westen“ unterstützte und/oder eingesetzte Tyrannen aber nicht.

Kann natürlich sein, dass ich mich irre.

Korrektur: Geronimo VS Osama

In meinem letzten Senf – „Obama, Osama, Fleischhacker und die Seinen“ – schrieb ich, dass der Name der Militäraktion, durch die Osama eliminiert wurde, durchaus passend sei, weil die Amis, genauso wie einst der berühmte Apachenkrieger „Geronimo“ (Spanisch für Hieronymus) , der auch Gokhlayeh genant wurde, auf einem Rachefeldzug waren.

Ich erfuhr erst heute, dass mit „Geronimo“ jedoch Osama Bin Laden selbst gemeint war. Ein Codename, das, aufgrund seiner Assoziation, wahrlich schlecht gewählt ist, bedenkt man die Verbrechen, die die US-Army einst gegen Geronimos Stamm und Familie verübten.

Ich würde dem legendären Kriegshäuptling der Chiricahua niemals charakterliche oder gar ideologische Gemeinsamkeiten mit dem Terroristenführer unterstellen wollen. Parallelen gibt es aber doch.

Gokhlayeh war nämlich ebenso schwer zu fassen, wie Bin Laden – wenn auch aus anderen Gründen: Die USA zahlten der Sierra Madre damals keinen jährlichen Milliardenbetrag. Die Kunst des Versteckens, die Geronimo und seine Leute beherrschten, war quasi gratis, hatte also mit seiner Geschicklichkeit zu tun und nicht mit der offenbaren Doppelzüngigkeit eines angeblichen Verbündeten namens Pakistan.

Aber auch in seinem Fall hatte die US-Armee, ebenso wie die mexikanische, verhältnismäßig überzähliges Personal aufgeboten, um ihn zu finden. Vielleicht wählte man deshalb diesen, nun doch so kontroversen, Kodenamen für Ziel und Aktion zur Ergreifung/Tötung der Al-Kaida-Ikone: Er war den USA genauso lästig, wie einst der Chiricahua-Krieger.

Das war’s aber wohl mit den Gemeinsamkeiten. Auch deshalb, weil der Apachenkrieger sich nicht finden ließ, sondern freiwillig ergab. Zudem wäre es besser für die US-Regierung, insbesondere aber das US-Militär, nicht zu viele Gemeinsamkeiten mit den Jägern des Geronimo zu suchen.

Während die Stämme damals gegen Unterdrückung und teils, von den Behörden ungestraftem, Völkermord aufbegehrten, begehren zwar auch die Islamisten der Al-Kaida und entstammen und rekrutieren aus den Armeen der Armen, aber ansonsten? Die Apachen bekämpften ihre unmittelbaren Feinde. Die Al-Kaida gibt dem so genannten Westen und seinem amerikanischen Imperium vermutlich auch an schlechter Opiumernte die Schuld, obwohl viele ihrer Probleme hausgemacht sind und sie selbst, so wie ihre Verbündeten, zu Unterdrückern und Schlächtern wurden.

Dass die Apachen damals auch ZivilistInnen und dabei sicherlich Unschuldige überfielen, lag in der Logik der Unterdrückung und des kriegerischen Aufbegehrens. Dabei ging es allerdings ums Überleben – Ausschlaggebend war die Wasser- und Nahrungsknappheit im San-Carlos-Reservat, in dem man Geronimos Stamm festhalten wollte. Die Al-Kaida aber kämpft nicht um die Versorgungslage ihrer Völker, sondern für die Macht ihrer eigenen Tyrannen. Außerdem war der Kriegshäuptling höchstpersönlich an seinen Kämpfen beteiligt. Bin Laden schickte, von seinem Versteck aus, leicht manipulierbare Jungen zum Selbstmordanschlag.

Ich bin überzeugt, dass vorangehende Ungerechtigkeit zu noch mehr Ungerechtigkeit und auch zur Terroristenkarriere eines Bin Ladens führt, wobei man an einem gewissen Punkt vielleicht Sympathien mit Osama haben konnte, z.B. als er in Afghanistan (wo er möglicherweise Rambo begegnet war) gegen die Soviets kämpfte – wie Geronimo also, gegen die brutale Expansion der euroamerikanischen Siedler. Aber auch hier besteht der Unterschied darin, dass der Apache selbst Betroffener des Terrorismus war, nämlich jenem US-amerikanischer Privatleute (vor allem weißer Skalpjäger) und im Grunde einen Verzweiflungs- und Verteidigungskrieg führte.

Hingegen behauptete Bin Laden – Sohn reicher Monarchen – nur dies, bezüglich des „Imperialismus“ der USA, zu sein und zu betreiben, während die Al-Kaida ihrerseits eine Terror- und Expansionsorganisation ist, die überall Filialen heran missioniert und es gerne sehen würde, wenn alle Erdlinge ihrem Lebensstil und ihrer dämlichen Trachtenmode folgen würden. Ich glaube nicht, dass die amerikanischen UreinwohnerInnen das bei den europäischen SiedlerInnen versuchten.

Geronimos Volk wurde terrorisiert und auf seinem Heimatboden angegriffen, Osamas Marionetten waren jedoch Angreifer und Terroristen. Dass jene Nation, die einst Gokhlayeh Feind war, nun quasi sein Schicksal teilte, ist nicht relevant, um zu erklären: Geronimo ist ein Anti-Bin Laden. Denn dass Geronimo, bei Gelegenheit, je eine Postkutsche voller Dynamit, von einem seiner Stammesbrüder, ins Hauptgebäude eines New Yorker Großhändlers, lenken lassen, während er sich selbst in einem Luxus-Tippi versteckt gehalten hätte, bezweifle ich ohnedies.

Der Titel der Navy-Operation wäre also nur passend gewesen, hätte man ihre Zielperson nicht gleichermaßen benannt. Eigentlich waren die Amis die rächenden Geronimos, wenn auch unter völlig anderen Bedingungen, als das Original. Zugleich passt es aber, zum Aufarbeitungsgeist der US-AmerikanerInnen bezüglich ihrer eigenen, geschichtlichen Schattenseiten, dass daran nicht gedacht wurde. Wer glaubt, dass ein halbschwarzer Präsident daran automatisch etwas ändert, ist im Grunde RassistIn und/oder EthnienromantikerIn, lebt also in einem Fantasieland.

Vielleicht ist es aber auch militärische Tradition, Operationen nach deren Zielen zu benennen? Macht’s nicht besser, ich weiß. Wenn aber ja, herrscht vielleicht auch hier Reformbedarf. Dann hätte man die Operation „Little Big Horn“ – wahlweise auch „Sitting Bull“ oder „Grazy Horse“ – und die betroffene Person als „General Custer“ kodifizieren mögen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Obama, Osama, Fleischhacker und die Seinen

Eigentlich wollte ich dazu meinen Senf nicht abgeben. Die Presse aber (wieder einmal), die einzige Zeitung des deutschsprachigen Raumes, die auch während der beiden Weltkriege und dazwischen „frei“ war, klatschte mir ihre Titelseite ins Gesicht und ich bin nicht christlich genug, um die andere Wange hinzuhalten.

Wenn sich jemand über (die anderen) Feuilletonisten lustig machen will, sollte er sie entweder parodieren oder einen Witz erzählen. Wer aber versucht, dabei seriös zu erscheinen, ist nicht witzig und parodiert sich letztlich selbst.

Barack Obama, der Präsident der USA, sei eine europäische Ikone des Antiamerikanismus und im schnell noch erfundenen „Kampf der Ikonen“, würde sich in ihm die Widersprüchlichkeit linker Halbgottgläubigkeit zeigen – Ebenfalls eine ausgeleierte Erfindung rechtslastiger Geister.

Nun hatte diese antiamerikanische Ikone also die „Operation Geronimo“ befohlen, um die antiamerikanische Ikone der Muslime, wie es die Presse umschreibt, Osama bin Laden, auszuschalten – so oder so, wir wissen nicht wie es hätte geschehen sollen. Bin Laden ist jedenfalls tot, was passieren kann, wenn man fanatische Terroristen jagt, ob man sie nun tot oder lebendig fassen will

Dennoch wird Obamas Aktion, als von jenem, nämlich Michael Fleischhacker, als Mordauftrag bezeichnet, der sich darüber beklagt, dass Bush von den Linken als Kriegsverbrecher bezeichnet worden wäre, wäre unter seiner Regentschaft die Eliminierung des Al-Kaida-Ikonen-Führers gelungen; über die die AmerikanerInnen, allen voran die New YorkerInnen sich nun so sehr freuen. Er meckert also über etwas, das nicht eintraf, um den augenscheinlichen Verlust seiner Objektivität zu legitimieren. Was er anderen vorwerfen würde, wäre geschehen, worüber er meckert, vollbrachte Fleischhacker nun selbst.

Auch die amerikanischen „Tea-Party“-Trottel, die bereitwillig den Reichsten ihrer Landsleute gestatten, ihre vielseitige Armut gegen andere Arme auszuspielen, vergleichen Obama mit Osama und so tut es auch Fleischhacker. Wobei er diesen Einfall allein an EuropäerInnen abliest, die Obama angeblich als Messias verehren. Beweise für deren Existenz würde ich gerne sehen, obwohl sie genauso plakativ und unerheblich sind, wie die Klage über den Namen der Navy-Seals-Operation, die von unterschiedlichen Seiten ertönt.

Geronimo war ein Apachehäuptling, der Rache für die Massenmorde an seinem Volk und seiner Familie schwor. Insofern passend, die Amis haben sich gerächt. Außerdem beklagt sich auch niemand darüber, dass ein Kampfhubschrauber den spanischen Namen dieses Kriegers trägt.

Unerheblich ist auch, dass Osama bin Laden tot ist. Natürlich kommt es subjektiv seltsam bei vielen von uns an, wenn ganz New York Party feiert, weil dem Drahtzieher eines Massenmordes in den Kopf geschossen wurde. Aber subjektiv ist in diesem Fall alles. Die New Yorker freuen sich vielleicht auch nur, dass dadurch das Symbol ihrer Angst erlosch.

Der fundamentalistische Terrorismus mit dem Islam-Label, hat seine größte Niederlage nicht durch die Tötung seiner Anführer erfahren, sondern die demokratischen Revolutionsbewegungen in den arabischen Ländern, sofern diese friedlich gelangen.

Diese werden in die Geschichtsbücher eingehen, ebenso wie die Fakten um Leben und Tod des Osama bin Laden, dieser verlorenen Seele.

Nicht geschichtsträchtig aber ist all das überflüssige Geschwätz rundherum, dass, neben vielen Quellen, für mich in jenem fleischverhackten Titelseitentext der „Presse“ bisher gipfelte. Wenn man etwas gegen Obama hat, sollte man es laut sagen und sich nicht hinter angeblicher, jedenfalls irrelevanter linker Leichtgläubigkeit verargumentieren. Also: Über Nichtgeschehenes, auf Irrelevantes zu folgern, dass die vermuteten Obamaanhänger doof seien, lässt einen nicht gerade in einem undoofen Licht erscheinen.

Aber das kennen wir ja schon, vom sanften Rechtspopulismus. Man konstruiert eine linke Doppelmoral, die man lediglich aus seinem eigenen Verhalten kennt. Fleischhackers Titelseite ist also gleichsam ein Spiegel der Kindischheit, die, in diesen Kreisen, immer dann auftritt, wenn ein angenommener Gegner einen Erfolg vorweist. Das ist in den USA genauso, wie in Europa.

Apropos: Wenn Fleischhacker kommentiert, dass die New Yorker „Obama: 1 – Osama: 0“ verrechnen, während die EuropäerInnen aus seiner Sicht „1:1“ zählten, zeigt sich nur, dass allein er und seine Geistesgemeinschaft die Welt solcherart berechnen. Eine Rechnung, die faktisch keinen relevanten Inhalt hat, zieht er als Scheinargument heran, in dem nicht einmal der Versuch einer (plakativen) Theorie, schon gar nicht der eines Beweises, steckt. Was soll man damit anfangen? Man kann es vergessen!

Es ist zudem (typisch elitär) zynisch und widerwärtig, jenen, die sich der Hoffnung durch die Ernennung eines ganz anderen Präsidenten erfreuten, zu unterstellen, sie seien abergläubische IkonenanbeterInnen. Während man zugleich die Kultur des Abendlandes herauf beschwören will, also etwas, das es gar nicht gibt (die Kultur schon, aber nicht das „Abendland“).

Auch die Hoffnung ist Emotion, die nicht relativiert wird, wenn dieser Präsident sich als Mensch erweist – wenn er ausführt, wozu alle US-Präsidenten gezwungen sind oder wenn Medien, wie „Die Presse“, seine Errungenschaften ignorieren und lediglich die, von Außen an den Mann herangetragenen, Widersprüchlichkeiten zu seinen (von Außen herangetragenen) Bild, sich aus allen erdenklichen Haaren ziehen.

Außerdem möchte ich festhalten: Dass Präsident Obama den Friedensnobelpreis erhielt, schmälert nicht seine Person, sondern die Bedeutung dieses Preises. Und Eines noch: Es ist sexistisch, Obama stets als Schwarzen zu bezeichnen, so, als ob die Hautfarbe seiner Mutter nicht zählen würde, nur weil diese naturgemäß eine Frau war.